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EVB-IT Erstellung von Software veröffentlicht



Der CIO Bund hat unter dem 8. Juli 2013 einen neuen Vertragstyp unter der Kurzbezeichnung „EVB-IT Erstellung von Software“ bzw. "Ergänzende Vertragsbedingungen für die Erstellung bzw. Anpassung von Software" herausgegeben.

Der Vertragstyp dient allerdings kaum der Erstellung von Software im üblichen Sinne. Das klingt zwar komisch, ist aber so und kann wie folgt erklärt werden:

Die EVB-IT System haben die „Erstellung eines Systems“ aus Hardware und Software zum Gegenstand. Nimmt man die Hardware heraus, bleibt die Software übrig. Deswegen spricht der CIO Bund von Erstellung von Software. Gemeint ist also die Überlassung von Software einschließlich Anpassungsprogrammierung und weiteren Dienstleistungen.

Die EVB-IT System können auch für die Erstellung von Software im üblichen Sinne verwendet werden. Die Regelungen zur Hardware und möglicherweise auch die zur Standardsoftware laufen dann leer. So kann auch der EVB-IT Erstellungsvertrag für die Erstellung von Software verwendet werden. Er eignet sich aber weniger als die EVB-IT System dafür, weil die Erstellung von Software im üblichen Sinne ein Projekt ausmacht und deswegen einiges zur Projektdurchführung geregelt werden sollte. Die EVB-IT Erstellung sehen aber weniger Regelungen dazu vor, als es der EVB-IT Systemvertrag tut.

Der CIO Bund hat in seiner Veröffentlichung der EVB-IT Erstellung sozusagen als den "kleinen Bruder" der EVB-IT IT-System bezeichnet. Jene seien " für die Beschaffung von komplexen IT-Systemen konzipiert. … Demgegenüber fallen die neuen EVB-IT Erstellung deutlich kürzer aus." Diese passen gut, wenn es um die Einführung von Standardsoftware mit Anpassungsprogrammierung und Dienstleistungen geht.

Die EVB-IT Erstellung sind gegenüber den EVB-IT System nicht nur insoweit gekürzt worden, dass die Hardware entfallen ist, sondern auch darüber hinaus: Die Miete ist gestrichen worden. Viele Abschnitte im Erstellungsschein sind vereinfacht worden. Insbesondere soll jetzt (noch) mehr in Anlagen geregelt werden. Der Formularsatz hat nur noch 21 Seiten gegenüber 38 bei den EVB-IT System.

Mustergültig ist die Behandlung von Anpassungen, die in die Standardsoftware aufgenommen werden sollen. Bisher konnte man sich gar nicht aufführen, sondern nur über vier Ebenen erklären, ob man das tun wolle. Jetzt kann man sie aufnehmen und mit einem Ja/Nein erklären, ob sie Teil der Standardsoftware werden sollen.

Trotzdem fragt man sich, wozu man überhaupt noch den Formularsatz braucht, wenn man weitestgehend auf Anlagen verwiesen wird. Es wäre wesentlich hilfreicher, wenn der CIO Bund eine Arbeitshilfe herausgeben würde, wie die Bedarfsträger ihre Leistungsbeschreibung strukturieren könnten. Dass der CIO Bund gute Arbeitshilfen erstellen kann, zeigen die UFAB.

Der Erstellungsvertrag dient – laut Veröffentlichung des CIO Bund – der Beschaffung von nicht so komplexen IT-Systemen wie die EVB-IT System. Die Frage stellt sich allerdings, wie er sich zu den EVB-IT Systemlieferung verhält: Der einzige plausible Unterschied ist, dass die EVB-IT Systemlieferung nicht Anpassungsprogrammierung beinhalten (sie beinhalten zwar auch den Kauf von Hardware; dieser Teil braucht aber nicht genutzt zu werden; das zeigen schon die EVB-IT Kauf).

Der Text ist gegenüber dem der EVB-IT System etwas gestrafft worden. Soweit Abschnitte neu formuliert werden mussten, sind sie sprachlich besser abgefasst. Es ist auch zu erkennen, wann ein Absatz gewollt ist oder nicht (weil der Zeilenabstand innerhalb von Absätzen verringert worden ist). – Das (Un-)Wort „Gesamtsystem“ ist gestrichen worden, auch wenn es keinen Unterschied im Leistungsbündel gegenüber den EVB-IT System gibt. Statt dessen werden wechselnde Worte verwendet wie „Werkleistung“, „Software“, oder „vertragliche Leistungen“.

Wenn es schon um Erstellung und Pflege von Software geht, hätte man erwarten dürfen, dass das Thema Pflege für Anpassungen und für reine Individualsoftware abgehandelt werden würde. Das Thema ist allerdings kompliziert. Es wird nicht abgehandelt, das wird nur die Pflege von Standardsoftware.

Auch dieser Formularsatz ist anscheinend nicht getestet worden. So sieht Erstellungsschein Nr. 1.2 nur den Pauschalfestpreis ohne Ausweis seiner Anteile vor; im Folgenden wird aber auch die Vergütungsart Pauschalfestpreis mit Ausweis seiner Anteile abgehandelt.